Sprungziele
Seiteninhalt

Gevelsberger Erklärung

Die Gevelsberger stellen sich hinter ihre Gastwirte

Zahlreiche Gastronomen – nicht nur mit Betrieben in der Innenstadt – waren zum Start der Solidaritätsaktion gekommen: Bürgermeister Claus Jacobi, Ralf Hedtmann, Vorsitzender des örtlichen Wirtevereins und Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) in Westfalen, sind die Erstunterzeichner der Gevelsberger Erklärung. Unter dem Motto „Gastronomie braucht Zukunft – Wir brauchen Gastronomie“ wird zur bundesweiten Solidarität mit den Gastronomen aufgerufen und von der Politik auf Bundes- und Landesebene ein zweiter Rettungsschirm für die Hotels, Restaurants und Gaststätten gefordert. „Sie sind für uns die Wohnzimmer der lokalen Gemeinschaft“, ist in der Erklärung zu lesen. Die Unterschriftslisten sind ab sofort in den Gastronomie-Betrieben ausgelegt und können dort von den Bürgern unterzeichnet werden. Die Gevelsberger stellen sich hinter ihre Gastwirte.


„Unsere gemeinsame Initiative ist das Ergebnis einer der neu eingeführten Telefonkonferenzen. Darin diskutiert die Stadtverwaltung mit den von der Corona-Krise betroffenen Menschen, um die Sprachlosigkeit zu überwinden“, so Bürgermeister Jacobi bei der Vorstellung der Erklärung im Bistro Papillon in der Mittelstraße. Bei einer dieser Runden sprach der Bürgermeister mit den Gastronomen: „Und da wurde noch einmal deutlich, wie hart diese Menschen, die sich als unsere Gastgeber fühlen, von den Folgen der Pandemie betroffen sind.“ Und dass, obwohl sich viele Menschen nach einem gut gezapften Bier oder einem außergewöhnlichen Dinner in der heimischen Gastronomie sehnen. Nicht umsonst hätten die Bewirtungsbetriebe in Gevelsberg bei einer Umfrage der Westfalenpost und Westfälischen Rundschau die Bestnote im Vergleich zu den Nachbarstädten erhalten.


Nachdem die Wirte wieder Gäste empfangen durften, hätten die Umsätze „nicht ansatzweise die Zahlen aus dem vergleichbaren Zeitraum im vergangenen Jahr erreicht“, obwohl sich die Betriebe sehr viel Mühe geben, zieht Jacobi eine erste Bilanz. „Der frische Salat, das Schnitzel, das gepflegte Bier, das heute nicht verzehrt wird, wird in den nächsten Wochen bestimmt nicht doppelt konsumiert werden“, heißt es in der Gevelsberger Erklärung zur Untermauerung der Forderung, dass ein zweiter, starker Rettungsschirm dringend notwendig ist. Der Bürgermeister machte aber auch deutlich, dass die Vorsichtsregeln für die Gastronomie mit der Erklärung nicht in Frage gestellt werden. Darüber seien sich alle Unterzeichner einig.


Die Stadt Gevelsberg und ihre Wirte wollten aber nicht nur einen Appell senden. „Wir wollen ein starkes Zeichen setzen“, wie es Ralf Hedtmann, Chef im Bistro Papillon, ausdrückt. Die Stadt hat die Mittelstraße am Wochenende nach Himmelfahrt, am 13. und 14. Juni, für den Verkehr gesperrt, damit die dort angesiedelten Wirte die Außengastronomie bis auf die Fahrbahnen ausdehnen konnten, um mehr Sitzplätze anbieten zu können. „Was die Gastronomie bei den Abstandsregelungen am dringendsten braucht, ist Platz – und den wollen wir ihnen geben“, so der Bürgermeister. 

Wie dramatisch die Situation der Wirte ist, machte Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DeHoGa Westfalen, deutlich: „Rund tausend Betriebe aus Nordrhein-Westfalen haben uns auf eine Umfrage zu der Situation nach der Wiedereröffnung der Betriebe geantwortet. 40 Prozent davon gaben an, weniger als 25 Prozent Umsatz als früher zu machen.“ Martin lobte das Gemeinschaftsgefühl in Gevelsberg: „Wir merken, dass es eine Partnerschaft zwischen Verwaltung, Politik und Gastronomie in der Stadt gibt. Das ist bei weitem nicht überall in meinem Verantwortungsbereich so.“ Vieles, was die Wirte in anderen Kommunen zur Steigerung der Attraktivität forderten, sei in Gevelsberg bereits erfüllt worden.