Sprungziele
Seiteninhalt

Familienzentrum Habichtstraße

Familienzentrum Habichtstraße: Wechsel an der Spitze

Vor 21 Jahren wurde der Städtische Kindergarten in der Habichtstraße eröffnet. In diesen zwei Jahrzehnten hat sich eine Menge geändert. Nur eins nicht: Gaby Beckel war immer die Leiterin der Einrichtung und Christiane Moll ihre Stellvertreterin. Nun geht die „Chefin“ in den verdienten Ruhestand und ist stolz darauf, keine Lücke zu hinterlassen. Christiane Moll wird ihre Nachfolgerin. „Wir hatten den unbeschreiblichen Luxus, die Verantwortung und die Aufgaben Schritt für Schritt übergeben zu können“, sagt Gaby Beckel. „Als mir die Eltern gratuliert haben, wusste ich im ersten Augenblick gar nicht wozu“, beschreibt Christiane Moll den reibungslosen Übergang.

Aus dem Kindergarten ist ein Familienzentrum geworden. 120 Kinder erleben hier Tag für Tag ihre ganz persönlichen Abenteuer. 20 pädagogische Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass sie die Chance dazu bekommen, den richtigen Weg in ihre Zukunft einzuschlagen. „Wir haben ein extrem engagiertes Team, das war in den ganzen Jahren so“, sagen die beiden Frauen. Aber die pädagogische Herausforderung steht nicht allein: Ein Familienzentrum zu führen, ist auch eine Managementaufgabe - das Leiten eines kleinen Betriebes mit der ganzen Bürokratie, die dafür notwendig ist.

„120 Kinder, das bedeutet auch 120 Familien dahinter“, sagt Christiane Moll. Eltern, die Hilfe beim Familienzentrum finden. Nicht nur wenn es um die Erziehung der Kinder geht. Neben der Familienberatung kommen zum Beispiel auch Experten von Pro-Familia oder der Schuldnerberatung ins Haus, um Ansprechpartner zu sein. Fast alle Kinder bleiben zum Mittagessen in den Räumen an der Habichtstraße. Auch das war nicht so, als die beiden Frauen ihre Aufgaben übernommen haben. „Wir kochen alles selbst“, erklärt Christiane Moll mit ein wenig Stolz in der Stimme, diese Möglichkeit zu haben.

Auch die Eltern haben sich im Laufe der Jahre, in der Gaby Beckel die Verantwortung getragen hat, verändert: „Viele Mütter und Väter sind unsicherer geworden.“ Wo früher noch intuitiv erzogen wurde – manchmal vielleicht falsch, meist aber richtig – wird heute ein Buch aufgeschlagen, das dann auch Antworten schuldig bleibt. „Viele Menschen denken, wir spielen nur mit den Kindern und trinken zwischendurch Kaffee. Bildung ist aber mehr als spielen“, meint Christiane Moll. Die Kinder müssten Grenzen erleben, Werte vermittelt bekommen.

Früher wurden Mädchen und Jungen ab zwei Jahren betreut, heute kommen sie in noch jüngeren Jahren in das Städtische Familienzentrum: „Sie lernen bei uns laufen und sprechen. Wir betreuen sie oft 45 Stunden in der Woche. Das ist mehr Zeit als sie mit ihren Eltern verbringen können“, rechnet Gaby Beckel vor. Wenn ein kleiner Mensch mit sechs oder sieben Monaten in die Habichtstraße kommt und mit fünf oder sechs Jahren in die Schule wechselt, dann fließen bei den Betreuerinnen schon die Tränen. Ein Hinweis darauf, dass die berufliche Aufgabe nicht Gefahr läuft, Routine zu werden.

Dass sie in den letzten Jahren Familien betreuen, die ihre Heimat verlassen mussten, empfinden Gaby Beckel und Christiane Moll als „große Bereicherung“. Für Kinder sei es eine Selbstverständlichkeit, eine andere Hautfarbe neben sich zu akzeptieren. Der Unterschied spiele überhaupt keine Rolle. Das Leben ist noch unkompliziert. Mit zwei Jahren können Kinder eben noch nicht richtig sprechen. Sei es in Deutsch oder in irgendeiner anderen Sprache dieser Welt. Und für den Weg in diese Welt werden im Familienzentrum die Türen geöffnet. Werden die Kinder älter, lernen sie die anderen Kulturen und ihre Unterschiede zu verstehen. Selbst wie unterschiedlich das Weihnachtsfest gefeiert werden kann.

Wie beliebt Gaby Beckel bei den Kindern und Eltern als Leiterin des Städtischen Familienzentrums Habichtstraße ist, zeigen die unzähligen Herzchen, die die Mädchen und Jungen für sie gebastelt haben und jeden freien Fleck im Flur des Gebäudes füllen. So ganz müssen die Kinder auf die 65-Jährige nicht verzichten. In einer anderen Rolle ist sie weiterhin ein regelmäßiger Gast: „Als Oma, mein Enkelkind ist auch hier.“ Gaby Beckel hat selbst zwei, Christiane Moll drei Kinder. Die Rolle als Mutter habe im Beruf geholfen, versichern die beiden Frauen. Auch wenn man in ganz, ganz seltenen Momenten das Gefühl gehabt habe, die Arbeit mit nach Hause zu nehmen.