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So hilft Gevelsberg den Gästen aus der Ukraine

Rathaus-Blog: So hilft Gevelsberg den Gästen aus der Ukraine 

Die Flüchtlinge, die über das Mittelmeer oder aus Afghanistan nach Gevelsberg gekommen sind, wollen eher nicht in ihre Heimat zurück. Das unterscheidet sie von den Menschen aus der Ukraine. „Viele von ihnen möchten so schnell wie möglich wieder nach Hause, wenn sie dort nicht mehr durch den Einmarsch der russischen Truppen um ihr Leben bangen müssen“, sagt Petra Akin vom Büro für Vielfalt und Zukunftschancen im Gevelsberger Rathaus. Dieses koordiniert die verschiedenen Integrationsmaßnahmen sowie die Betreuung durch das etablierte Patennetzwerk in Gevelsberg, während die Kolleginnen und Kollegen der Abteilung soziale Leistungen sich federführend um die Unterbringung und auch die Leistungsgewährung füe die bei uns ankommenden Menschen kümmern. 

Wie viele Ukrainer nach Gevelsberg gekommen sind, das lässt sich schlecht sagen: „Gezählt wurden bislang über 200. Davon sind einige in Sammelunterkünften wie z.B. der Alten Feuerwache untergebracht. Die anderen haben privat ein Dach über dem Kopf gefunden oder sind in städtischen Wohnungen untergekommen“, zählt Akin auf. Meist sind es Frauen und Kinder, die in Gevelsberg Schutz vor dem Krieg suchen. Es ist ein Kommen und Gehen: „Wenn die Menschen irgendwo in Europa eine bessere Chance für sich sehen, wenn dort zum Beispiel Verwandte leben, dann nutzen sie die.“ Für die Ukrainer gilt die Freizügigkeit. Für Petra Akin und ihre Kollegin Alexandra Konstantinopoulos macht diese die Integrationsarbeit aber auch unkalkulierbar.

Leichter wird sie dadurch, „dass die meisten Menschen gut englisch sprechen und hoch motiviert sind. Sie wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen.“ und auch selber helfen: „Wir haben zum Beispiel eine Erzieherin, die den Nachwuchs betreut, während die Eltern bei der VHS an den Kursen teilnehmen.“ Drei Deutschkurse für 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten dank finanzieller Unterstützung durch die Hans-Grünewald-Stiftung kurzfristig eingerichtet werden, der vierte ist bereits in Planung. Rund 30 Kinder müssen in die örtlichen Schulen integriert werden – und täglich werden es mehr.

Die Hilfsbereitschaft der Gevelsberger ist groß. Petra Akin erzählt von einem Mann, der einer ukrainischen Familie sein Auto überlassen wollte. Da gibt es auch die Frau, die eine Familie ein- bis zweimal in der Woche zum Mittagessen einladen möchte: „Dererlei Angebote sind wichtig und hilfreich. So können die Geflüchteten zum Beispiel ihre Deutschkenntnisse anwenden, die sie im Kurs erlernt haben.“ Auch Vereine und Organisationen bieten Unterstützung in Form von Kursen und Fortbildungslehrgängen an. Andere stellen Wohnraum zur Verfügung, der dringend gebraucht wird. Besonders freuen sich die beiden Mitarbeiterinnen des Büros für Vielfalt und Zukunftschancen immer dann, wenn Menschen, die selbst als Geflüchtete an die Ennepe gekommen sind, helfen möchten.

Seit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 werden die Ankömmlinge in Gevelsberg auch von ehrenamtlichen Paten betreut: „Die Anzahl der aktiven Helferinnen und Helfer ist durch die Corona-Welle zurückgegangen. Einige sind nach wie vor sehr engagiert dabei. “ Dennoch könnten es noch mehr sein. Zum Beispiel Menschen, die bei den Schularbeiten helfen, wie pensionierte Lehrerinnen und Lehrer: „Wir sind aber auch dankbar, wenn sich jüngere Menschen – zum Beispiel Studenten – engagieren.“ So könnten Zugewanderte und Geflüchtete auch Kontakte zu einer anderen Generation in Deutschland knüpfen. „Wenn jemand helfen möchte, dann setzen wir uns erst einmal mit ihm zusammen und besprechen die Möglichkeiten. Die Ehrenamtlichen sollen natürlich nicht überfordert werden.“ Auch Menschen mit russischen Sprachkenntnissen können weiterhelfen. Nicht zu vergessen ist auch der Bedarf an weiterem Wohnraum. 

Damit die Ukrainerinnen und Ukrainer die Möglichkeit haben, untereinander Kontakt aufzubauen und zu halten, wurde der Willkommenstreff hinter der Liebfrauenkirche an der Hagener Straße wieder aktiviert. Dienstags von 14 bis 17 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr können hier Kontakte geknüpft, Gedanken ausgetauscht und Erfahrungen weitergeleitet werden.

Und trotz aller Angst und Not, manchmal haben die Mitarbeiterinnen im Büro für Vielfalt und Zukunftschancen auch einen Grund zum Schmunzeln. Alexandra Konstantinopoulos erzählt von einer Frau, die zu ihr gekommen ist und unbedingt einen Sprachkurs belegen wollte: „Die Frau war in der Ukraine Deutschlehrerin. Sie könnte ihren Landsleuten die Sprache beibringen.“ Die Lehrerin winkte ab: „Sie hätte nach der Flucht bei ihrer Ankunft in Deutschland kein einziges Wort verstanden, sagte sie mir.“ Bei Nachfragen stellte sich heraus: Die Frau war ausgerechnet im tiefsten Bayern angekommen, dort wo auch der Gevelsberger sprachlich nicht weiterkommt.

Wer sich erkundigen möchte, wie er den Gästen aus der Ukraine das Leben in Gevelsberg leichter machen kann, der kann sich an Petra Akin und Alexandra Konstantinopoulos unter der E-Mail-Adresse bvz@stadtgevelsberg.de oder telefonisch unter den Nummer 02332/771 296 und -297 wenden.