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»Der Alptraum«: Städtische Hauptschule goes Hollywood

„Der Alptraum“: Städtische Hauptschule goes Hollywood

Noch geht Desmond auf die Gemeinschaftshauptschule in Gevelsberg. Doch der 13-Jährige kann sich durchaus vorstellen, später einmal Schauspieler zu werden. Eine Hauptrolle hat der Junge nämlich schon im Film mit Bravour gespielt. „Der Alptraum“ heißt der Streifen, in dem insgesamt elf Gevelsberger Hauptschülerinnen und Hauptschüler wichtige Rollen spielen.

Wenn ein Schüler oder eine Schülerin im Unterricht wegschlummert, dann ist das nicht nur ein Alptraum für die Lehrkraft. Desmond nutzt den Biologie-Unterricht, um ein wenig Augenpflege zu betreiben. In seiner Traumwelt sind seine Mitschülerinnen, Mitschüler und Lehrer zu Monstern geworden, die ihn verfolgen. Eine Woche lang hat der Kunstpädagoge Martin Domagala ein Hauch von Hollywood in die Hauptschule gebracht. Der Film wurde im Rahmen des Projekts „Jugend stärken im Quartier“ gedreht, in dem die Stadt und die Arbeiterwohlfahrt (AWO EN) zusammenarbeiten.

„Wir sind damit in die Hauptschule gegangen, weil die Schülerinnen und Schüler schon in der Woche gegen Rassismus Begeisterungsfähigkeit gezeigt haben“, erklärt Laura Kleuser von der AWO EN. „Der Alptraum“ ist ein Stummfilm geworden. „Eine Woche ist viel zu kurz, um Dialoge zu lernen“, sagt Regisseur Martin Domagala. Die Traumwelt wird in schwarz und weiß gezeigt, die Gegenwart in bunten Farben. Beides wird mit Musik untermalt. Das macht aber auch den ganz besonderen Reiz des sechs Minuten und zwölf Sekunden langen Films aus. „Ich bin auch nicht mit einem fertigen Drehbuch nach Gevelsberg gekommen, sondern wir haben es gemeinsam am ersten Tag erarbeitet“, so Domagala.

Warum sie als Schauspielerinnen und Schauspieler vor die Kamera durften, da sind sich die Mädchen und Jungen nicht so ganz einig. „Wir sind die größten Chaoten in der Klasse und damit auch die Talentiertesten für den Film“, glaubt Klara. Ein Mitspieler glaubt eher, ihre Hilfsbereitschaft hätte ihnen die Rollen verschafft. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Desmond haben sie dann per demokratischer Abstimmung zum Hauptdarsteller des Films gemacht: „Er hat die besten Gesichtsausdrücke drauf.“ Das ist natürlich wichtig in einem Stummfilm.

Und darum geht es auch. „Wir haben unsere Mimik hinter den Corona-Masken verloren“, sagt der Kunstpädagoge Martin Domagala, „wir müssen wieder lernen, unsere Emotionen darzustellen.“ Und das haben die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler nun wirklich drauf. Und wenn bei einer Verfolgungsjagd dann mal ein Geist über den anderen stolpert, dann ist das nicht schlimm und wird in die Handlung eingebaut.

Ein wenig komisch sei es schon gewesen, mit der Monster-Maske in der Sporthalle herumzulaufen, während die Schulkameraden dort ihre Übungen machten. Egal: Bei der Premiere vor zwei Klassen in der Hauptschule gab es auf jeden Fall jede Menge Beifall – und was noch wichtiger ist: Jede Menge Lacher. Und deshalb suchen die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler jetzt nach Möglichkeiten, den Film noch mehr Menschen vorzustellen.

Auf jeden Fall ist „Der Alptraum“ schon im Internet zu erleben.