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Claus Jacobi: Nicht die Schönheit unserer Stadt verspielen

Claus Jacobi: Nicht die Schönheit unserer Stadt verspielen 

Häuser für junge Familien, gemütliche Buden für Auszubildende und Studenten, behinderten- und altersgerechte Wohnungen: Das Dach über dem Kopf ist zur Mangelware geworden – in ganz Deutschland und natürlich auch in Gevelsberg. Die „familiengerechte Kommune“ an der Ennepe ist attraktiv für Jung und Alt. Was tun, um die Nachfrage einigermaßen zu befriedigen? Ein Umdenken in der Wohnungsbaupolitik fordert Bürgermeister Claus Jacobi im Gespräch mit dem Gevelsberger Journalisten Klaus Bröking.

Frage: Der Wohnungsbau ist eines der wichtigsten Themen, die sich die noch neue Bundesregierung auf die Fahnen geschrieben haben. Wie sieht die Situation in Gevelsberg aus?

Claus Jacobi: Wir als Stadtverwaltung verzeichnen eine unglaubliche Nachfrage vor allen Dingen von Familien mit jungen Kindern, die die Zukunft unserer Stadt sind. Wir werden ständig angesprochen mit Wünschen nach einem erschwinglichen Eigenheim oder einer Wohnung.

Heißt das, es wird bald neue Wohngebiete wie am Dörnerbusch oder am Kotten geben?

Ja, Ellinghauser Weg und Geer sind in der Prüfung und haben eine gute Aussicht auf eine Realisierung. Es müssen aber noch wichtige Hausaufgaben – Stichwort Verkehrsgutachten Geer/ Wittener Straße und die städtebauliche Konzeption Ellinghauser Weg – gemacht werden. Danach müssen wir jedoch vorsichtig mit dem immer weiteren Flächenverbrauch umgehen. Ich bin der Überzeugung, dass wir jetzt an einem Zeitpunkt angekommen sind, an dem wir in der Wohnungspolitik umdenken müssen. Wir dürfen nicht immer nur groß denken, sondern häufig auch kleinteiliger. Eine der größten Herausforderung in Gevelsberg ist es, der Nachfrage der Menschen nachzukommen, ohne erheblich in die Natur eingreifen zu müssen. Wir dürfen freie Landschaftsflächen nicht bedenkenlos verbrauchen und damit die Schönheit unserer Heimat verspielen.

Ist die Forderung der Politik an die Stadtverwaltung, die Hünninghaus-Brache an der Haßlinghauser Straße zu überprüfen, ob dort eine Bebauung möglich ist, ein Beispiel für die neue Ausrichtung?

Diese Ausrichtung ist nicht ganz neu. Wir müssen nur genauer hinschauen. Und ja: Die Hünninghaus-Brache ist ein Beispiel dafür. Auf den Höhen unserer Stadt am Strückerberg, am Stüting, im Stefansbachtal gibt es Grundstücke, die für die Natur nicht ganz so wertvoll sind, sich aber vielleicht als Bauland anbieten.

Können Sie uns vielleicht ein Beispiel nennen, um es deutlicher zu machen?

Mit der Hünninghaus-Brache haben wir bereits ein praktisches Beispiel. Oder nehmen sie andere Flächen hier und da im Siedlungszusammenhang, die bereits seit Jahren nicht mehr genutzt werden und inzwischen zugewuchert sind, weil sich keiner drum kümmert. Es gibt Werkstätten, die irgendwann geschlossen wurden und langsam verfallen.

Was soll dort entstehen?

Dort könnten zum Beispiel Doppelhaushälften entstehen. Und, wir müssen uns fragen, wie wir erschwinglich bauen können. Muss der Keller in unserer heutigen Zeit eigentlich immer zum Wohneigentum dazu gehören? Sicher nicht zwingend.

Da sind wir beim nächsten Punkt angekommen. Junge Familien brauchen nicht nur Wohnraum, sie benötigen zum Beispiel auch Plätze für ihren Nachwuchs in Kindergärten.

Genauso ist das. Und deshalb bin ich auch persönlich froh, dass im Frühjahr der Kindergarten St. Nikolaus an der Feverstraße eröffnet wird. Es ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Stadt.

Beim Bau von Kindergärten hat die Stadt in den vergangenen Jahren ein enormes Tempo an den Tag gelegt. Gibt es nach der Eröffnung von St. Nikolaus noch weitere Baupläne?

Wir können mit diesem weiteren Schritt, der Inbetriebnahme von St. Nikolaus, alle Rechtsansprüche, die die Eltern haben, in unserer Stadt erfüllen. Es gibt allerdings immer noch einige Notgruppen an verschiedenen Einrichtungen. Im Augenblick gehen wir noch davon aus, dass wir diese Situation durch konzeptionelle Erweiterungen bestehender Kindergärten beheben können. Wir denken immer an unsere Kinder und entwickeln unser Programm dazu alljährlich weiter.

Sie sprechen die Arbeit in den Gevelsberger Stadtteilen an?

Ja! Damit wir sie ausbauen können, hilft uns ein Angebot der evangelischen Kirche in Silschede, das ich für sehr beachtenswert halte. Die Gemeinde hat uns als Stadt ein Kooperationsangebot gemacht. Die Kirche öffnet sich sozusagen der weltlichen Sozial- und Quartiersarbeit.

Grund dafür sind sicherlich die sinkenden Zahlen der Gemeindemitglieder?

Diese Entwicklung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Kirchengemeinde möchte sich der Zivilgesellschaft öffnen und Bürgerinnen und Bürger, egal welche Religion sie haben, einladen, bei ihr zu Gast zu sein. Für die Kommune und unsere Bürgerinnen und Bürger ist das eine große Chance: Alles ist behindertengerecht. Wir können Seminare durchführen. Sogar Verwaltungsräume stehen zur Verfügung. Die Büros können von unserem Quartiersmanagement genutzt werden. Vorbild dafür sind Berge und Vogelsang mit der Alten Johanneskirche und dem Breddepark als Ankerpunkte.