Sprungziele
Seiteninhalt

Aussichten 2022: So geht der Stadtumbau weiter

Aussichten 2022: So geht der Stadtumbau weiter 

Es ist ein ehrgeiziges Projekt. Die Gevelsberger Innenstadt soll bis zum Jahr 2030 im neuen Glanz erscheinen. Mit dem Umbau von „Kaufland“ hat ein privater Investor den Startschuss gegeben. Der Vendômer Platz, das ist nicht mehr zu übersehen, kann im Frühjahr eröffnet werden und wird danach ein neuer Anziehungspunkt in der City sein. Wie geht es dann weiter mit der Verwirklichung des „Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts Gevelsberg 2030“? Darüber sprach Bürgermeister Claus Jacobi im zweiten Teil seines Jahresausblicks mit dem Gevelsberger Journalisten Klaus Bröking.


Wenn die Menschen in Gevelsberg über den nächsten Schritt zum Umbau der Innenstadt sprechen, dann fällt meist der Name Rupprecht- oder Horten-Haus.
Claus Jacobi: Das ist so. Das ist nicht irgendein Gebäude in der Gevelsberger Innenstadt. Viele Menschen sind mit dem alten Kaufhaus emotional verbunden. Sie verbinden damit wichtige Erinnerungen in ihrem Leben. Das merke ich immer wieder in zahllosen Gesprächen. Das Rupprecht-Haus hat aber auch eine zentrale städtebauliche Bedeutung in den Planungen.
Denken sie an das Gemälde von Christian Awe, das nun an der Fassade hängt. Das Werk symbolisiert die Vielfalt von Gevelsberg und ist zu einem Blickfang für alle geworden, die über die Wittener Straße in die Stadt kommen. Veranstaltungen wie die Woche für Zivilcourage, die Spenden-Gala der Taubenväter oder das Kaufhaus-Quiz haben dort stattgefunden. Für den Weg, den wir für die Verwirklichung des Projektes gehen, sind wir von der renommierten Hamburger Stiftung „Lebendige Stadt“ mit dem ersten Preis im Wettbewerb „Farbe bekennen!“ ausgezeichnet worden. Dafür haben sich immerhin 256 in- und ausländische Kommunen beworben.


Die Bürgerbeteiligung musste aber wegen der Pandemie immer wieder verschoben werden. Wäre es nicht besser, das weltweite Netz um Hilfe zu bitten? Video-Konferenzen sind schließlich zur Normalität geworden.
Ich habe gerade die zentrale Bedeutung des Projektes für unsere Stadt betont. Die Bürger mit einzubeziehen, dazu gibt es für mich nur den direkten Weg: Die Menschen zu einem Erlebnisrundgang durch das ehemalige Kaufhaus einzuladen und danach mit ihnen zu diskutieren, welche Wünsche, Ideen und Vorstellungen sie haben. Das Ergebnis kann dann von den Architekten verfeinert werden. Mit Kindern und Jugendlichen haben wir uns das Haus bereits angesehen. Sie haben ihre Wünsche geäußert. Nachdem wir die Rundgänge für Erwachsene im Herbst absagen mussten, bin ich zuversichtlich, dass wir sie in diesem Frühjahr nachholen können.


Heißt das, wir müssen jetzt erst einmal eine Pause bei dem Umbau unserer Innenstadt einlegen, wenn der Vendômer Platz eröffnet ist?
Nein, das heißt es nicht. Die Gevelsberger werden miterleben, wie wir unseren Weg in die Zukunft konsequent weitergehen werden.


Welche Baustelle wird demnächst eröffnet?
Wir werden uns um die Umsetzung der innerstädtischen Verkehrsführung kümmern. Die Straße vor dem Rathaus zur Anbindung der Hinterhäuser der Fußgängerzone und des Vendômer Platzes ist erst der kleine Anfang. Wir werden die Wasserstraße für zwei Fahrtrichtungen öffnen. Die Fahrbahnen werden dadurch ihre Dominanz verlieren, die sog. „SPD-Schleife“ nicht mehr notwendig.


Der veränderte Verkehrsfluss hat dann auch Auswirkungen auf den unteren Teil der Wittener Straße?
Natürlich, über die Wittener Straße werden im Augenblick die Autos quasi in die Stadt gepumpt. Wir wollen die Autos in der City nicht ausschließen, aber wir möchten die Zahl in Grenzen halten und den Autofahrern gut gelegene Parkplätze bieten. Das ist mit dem „Kaufland“-Parkhaus schon geschehen.


Und die untere Wittener Straße kann man sich dann so vorstellen wie heute die Mittelstraße?
In etwa, wir wollen sozusagen die Innenstadt in die Wittener Straße hineinwachsen lassen und damit eine Anknüpfung des Vendômer Platzes an die City schaffen.


Und je weiter man den Boulevard nach oben geht, desto weniger Geschäfte gibt es, umso mehr Kneipen, Restaurants, Imbissstuben und Cafés haben sich angesiedelt.
Das war aber schon Ziel einer früheren Städteplanung mit dem Umbau der Mittelstraße. Ich finde, die Gastronomie und die Einkaufswelt ergänzen sich großartig in unserer Stadt. Die City lebt. Was ist gegen einen Kneipenbummel einzuwenden?


Apropos Gaststätten: Irgendwie ist auch der Park am Ennepebogen ein grüner und damit wichtiger Punkt der Innenstadt. Bisher ist es nicht gelungen eine beständige Gastronomie in den Katakomben zu etablieren.
Im Augenblick ist da noch das Testzentrum untergebracht. Darüber bin ich auf jeden Fall sehr froh. Wenn die Pandemie besiegt sein wird und wir die Tests nicht mehr in großer Zahl benötigen, wird der Bereich wieder bewirtschaftet. Genügend Anfragen von interessierten Gastronomie-Betreibern haben wir bei der Stadtverwaltung.


Gevelsberg ist attraktiv für die Menschen. Wohnraum wird dringend gesucht. Gibt es aber noch Platz in der Stadt? Die Frage beantwortet Bürgermeister Claus Jacobi im dritten Teil seines Ausblicks auf das Jahr 2022.