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Ausblick 2022

Bürgermeister Jacobi: „2022 wird ein gutes Jahr für die Stadt“

„Ein gutes, neues Jahr“ haben sich die Menschen zu Silvester gewünscht. Aber, wird es für die Gevelsberger wirklich ein gutes Jahr, dieses 2022? Bürgermeister Claus Jacobi blickt zuversichtlich nach vorne: „Die Frage muss jeder Gevelsberger in zwölf Monaten selbst für sich beantworten, ob es ein gutes Jahr war. Aber ja, ich glaube daran, dass es für die Stadt Gevelsberg ein gutes Jahr werden kann.“, meint der erste Bürger der Stadt im Gespräch mit dem Journalisten Klaus Bröking zum Jahresanfang.

Frage: Wenn Sie von einem guten Jahr sprechen, Herr Jacobi, dann blicken Sie auf die Eröffnung des neuen Freibads, der Fahrrad-Verbindung von Gevelsberg nach Schwelm und die Fertigstellung des Vêndomer Platzes?

Claus Jacobi: Natürlich, alle drei Projekte werden das Leben in unserer Stadt nicht nur attraktiver machen, sie sind auch zusätzliche Angebote für die Menschen in der Nachbarschaft, uns einen Besuch abzustatten. Aber wir werden auch die Eröffnung der neuen Feuerwache am alten Haufer Bahnhof feiern. Darauf können wir stolz sein. Die Inbetriebnahme des imposanten Gebäudes der Feuer- und Rettungswache ist doch durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr untergegangen.

Im Mai sind sogar zwei Tage der offenen Tür geplant, um den Komplex den Bürgerinnen und Bürgern von Gevelsberg vorzustellen?

Ja, das ist richtig. Und im Rahmen dieser Tage wird Uwe Wolfsdorff, der die Leitung der Gevelsberger Feuerwehr Ende des vergangenen Jahres abgegeben hat und in den Ruhestand gegangen ist, zum Ehren-Stadtbrandmeister ernannt. Dieser Mann hat mit seinem Team den Gevelsbergern etwas ganz Besonderes gegeben: Ein Gefühl von Sicherheit. Ich erinnere nur an die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr. Die Bürgerschafft muss deshalb dabei sein, wenn er geehrt wird.

Sie planen also ein Fest für die Feuerwehr mit allen Bürgerinnen und Bürgern? Sie wissen, welche Frage jetzt kommen muss?

Natürlich, ob es in diesem Jahr nach zwei Jahren Zwangspause endlich wieder eine Gevelsberger Kirmes geben wird. Oder?

Und, können Sie eine konkrete Antwort geben?

Niemand kann eine hundertprozentige Garantie dafür geben, dass sich Gevelsbergs prägendstes Volksfest in diesem Sommer durchführen lässt. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir in diesem Jahr eine gute Chance haben, eine Kirmes in der Tradition zu veranstalten, die wir kennen und lieben. Deshalb sind wir als Stadt im ständigen Kontakt mit dem Kirmesverein sowie den Gruppen und Schaustellern und müssen die Gespräche jetzt intensivieren.

Bundes-Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat den Narren vorgeschlagen, ihren Karneval im Sommer zu feiern. Können Sie ihm nicht sagen: Das machen die Gevelsberger schon seit 1934, als der erste Kirmeszug durch die Stadt zog?

Im vergangenen Jahr hat eine Delegation der Stadtverwaltung mit Kämmerer Andres Saßenscheidt an der Spitze die Allerheiligen-Kirmes in Soest besucht. Ich konnte nicht mitkommen, weil ich in Urlaub war. Der Bürgermeister von Soest hat dasselbe wie Karl Lauterbach gesagt: Wenn man ein günstiges Zeitfenster findet, in dem die Corona-Zahlen sinken, dann ist es durchaus zu verantworten, eine Kirmes stattfinden zu lassen. Eine hundertprozentige Sicherheit wird es allerdings nicht geben.

Kann es in Corona-Zeiten eine Kirmes ohne Vorschriften geben?

Unsere Bürger und wir wollen eine Kirmes haben, die diesen Namen verdient. Dies zu erreichen, bedeutet einen weitaus höheren Aufwand für den Kirmesverein und die Stadt. Wir werden sicherlich im Sommer noch nicht auf Gesundheitskontrollen verzichten können. Wir haben mit dem Freizeitpark auf Zeit am Ennepebogen Erfahrungen gesammelt. Ob eine Zugangsbeschränkung die alleinige Lösung für die Kirmes ist, das möchte ich bezweifeln. Und dann haben wir auch noch ein ganz anderes Problem.

Verraten Sie uns, was Sie meinen?

Ich sage es ganz direkt: Die Kirmesgruppen brauchen Geld. Die Sommerfeste, mit deren Einnahmen der Bau der Festwagen sonst finanziert wird, durften nicht stattfinden. Die Grundlage für die Finanzierung fehlt damit. Wir müssen Sponsoren finden, die einspringen. Wir müssen aber auch gleichzeitig die Unabhängigkeit der einzelnen Kirmesgruppen sichern, damit sie nicht unter den Druck von Geldgebern kommen, weil sie die Tradition ihrer Heimatstadt hochhalten. Da sehe ich aber bei uns gute Voraussetzungen.

An welcher Stelle der Diskussion über die Kirmes sind wir also angekommen?

Lassen wir – der Kirmesverein und die Stadt – mit allem Optimismus den Startschuss geben, trotz aller Fragezeichen.

Immer wieder kommen wir auf das beherrschende Thema Corona. Wird die Krankheit einen bleibenden Schaden in Gevelsberg hinterlassen?

Ich befürchte: Corona wird einzelnen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in unserer Stadt das Leben kosten. Der größte Schaden, den Corona anrichtet, ist neben der Krankheit selbst, dass Menschen schrecklich einsam sind. Es gibt traditionsreiche Vereine, die eine ungünstige Altersstruktur haben und deren Mitglieder sich seit Monaten, wenn nicht seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Mitglieder sich nicht mehr gegenseitig unterstützen können. Es gibt in unserer Stadt zahlreiche Kaffeerunden oder den offenen Mittagstisch. Diese Gruppen leben vom regelmäßigen Kontakt. Werden alle Ehrenamtlichen noch da sein, wenn wir aus diesem Albtraum aufwachen?

Werfen wir noch einen Blick auf die heimische Wirtschaft. Wie hoch ist der Corona-Schaden dort?

Ich bin erstaunt, wie sich die kleineren, aber auch größeren Unternehmen in unserer Stadt in Zeiten der Pandemie behauptet haben. Das ist nicht selbstverständlich. Deshalb habe ich die große Hoffnung, dass keine größeren wirtschaftlichen Probleme auf uns zukommen werden.

Nach der Fertigstellung des Vendômer Platzes: Wie geht es weiter mit dem Umbau der Gevelsberger Innenstadt? Fragen dazu beantwortet Bürgermeister Claus Jacobi im zweiten Teil des Ausblicks auf das Jahr 2022.


Bildzeile: Bürgermeister Claus Jacobi beim Spaziergang über die Baustelle des Vendômer Platzes. Die Fertigstellung ist ein Grund dafür, dass 2022 für Gevelsberg ein gutes Jahr wird.