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Projekt - Jugend stärken im Quartier: »Schulschwänzer gibt es eigentlich nicht«

„Schulschwänzer“, sagt Melanie Bandusch, „Schulschwänzer gibt es eigentlich nicht.“ Was sie sagt, ist erstaunlich. Denn die Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) kümmert sich zusammen mit ihrer Kollegin Laura Kleuser und Nora Nörenberg von der Gevelsberger Stadtverwaltung hauptsächlich um Kinder und Jugendliche, die nicht regelmäßig in die Schule gehen. „Sie haben meistens einen guten Grund dafür“, ergänzt Laura Kleuser. Um solche Hürden aus dem Weg zu räumen, wurde das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ aus der Taufe gehoben.

Da ist das Mädchen, das von ihren Mitschülern gemobbt wird und sich nicht mehr in die Schule traut. Ein Junge fehlt in der Klasse, weil er wegen eines Gendefekts regelmäßige Bluttransfusionen zum Überleben braucht. Er kann sich aber nicht seinen Lehrern mitteilen. Eine Schülerin kümmert sich um ihre kranke Mutter. Sie ist das einzige Mitglied in der Familie, das ausreichend Deutsch spricht, um sich in Krankenhäusern oder bei Ärzten verständlich zu machen. „Die Beweggründe nicht in die Schule zu gehen, sind äußerst vielschichtig. Jede Familie, mit der wir Kontakt aufnehmen, ist anders. Die Probleme sind unfassbar vielseitig“, sagt Melanie Bandusch. Nur eins sei immer gleich: „Sie sind bei unseren Kennlerngesprächen dankbar, wenn wir mit ihnen Kontakt aufnehmen und unsere Hilfe anbieten.“

Aufmerksam gemacht werden die drei Frauen auf die Jugendlichen, die ihre Hilfe benötigen, durch die Schulen und das Jugendamt: „Da sind nicht nur Jugendliche, die nicht oder unregelmäßig zur Schule kommen. Es gibt auch Mädchen und Jungen, bei denen es den Lehrern nicht gelingt, die Eltern zu erreichen.“ Dann nehmen die Frauen Kontakt mit den Familien auf: „Nur, wenn sie uns akzeptieren, können wir zusammen eine Lösung finden.“ Manchmal würden Mama und Papa auch nur zu autoritär erziehen: „Ihre Kinder bekommen keine Luft mehr. Statt in die Schule zu gehen, steigen sie in den Zug nach Hagen oder Wuppertal, um ein wenig Freiheit zu haben.“

Die betreuten Jugendlichen kommen aus allen weiterführenden Schulen in Gevelsberg: „Von der Förderschule bis zum Gymnasium.“ Sie haben schwierige Ausgangsbedingungen. Ihre Eltern sind aus dem Ausland gekommen, haben einen Migrationshintergrund oder sogar schreckliche Erfahrungen auf einer Flucht sammeln müssen. „Es sind aber auch Kinder mit einer anderen sexuellen Orientierung darunter oder Teenager, die mit dem System Schule nicht zurechtkommen.“ Die Jugendlichen sind zwischen zwölf und 26 Jahre alt. Rund 20 Familien gleichzeitig betreuen die Mitarbeiterinnen des Projekts intensiv mit Einzelgesprächen. Der Junge mit dem Gendefekt geht jetzt auf die Oberlin-Gesamtschule. Sie ist eine Einrichtung der Evangelischen Stiftung Volmarstein zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit gesundheitlichen Problemen.

Neben der Einzelbetreuung gibt es für Melanie Bandusch und Laura Kleuser noch die Gruppenarbeit an den Gevelsberger Schulen. Dabei geht es zum Beispiel um den schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf.

Fast 300 Mädchen und Frauen hat das Projekt „Jugend stärken im Quartier“ von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Stadt Gevelsberg in drei Jahren betreut. Nur eins bedrückt Melanie Bandusch, Laura Kleuser und Nora Nörenberg von Tag zu Tag mehr: „Unsere Arbeit wird von der Europäischen Union gefördert. Die Gelder fließen noch bis Ende Juni. Dann wird Schluss sein.“ Und das, obwohl die Arbeit noch längst nicht beendet ist.

Kontakt

Melanie Bandusch, Telefon 01 57 / 58 15 29 07; E-Mail: melanie.bandusch@awo-en.de 

Laura Kleuser, Telefon 01 51 / 25 85 08 06; E-Mail: laura.kleuser@awo-en.de 

Koordinationsstelle der Stadt Gevelsberg, Rathausplatz 1, 58285 Gevelsberg: Nora Nörenberg, Telefon 0 23 32 / 771 298; E-Mail bvz@stadtgevelsberg.de