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Engelbert muss in Gevelsberg eine Zukunft haben

Engelbert muss in Gevelsberg eine Zukunft haben

Er ist in Gevelsberg allgegenwärtig. Es gibt einen Engelbert-Kindergarten, einen Engelbertweg, ein Engelbert-Denkmal, einen Engelbert-Tunnel, einen Pfadfinder-Stamm St. Engelbert, eine Engelbert-Gedenktafel, einen Rotary-Club Gevelsberg-Engelbert und sogar ein Engelbert-Kosmetik-Atelier. Aber, nirgendwo kommt man dem Mann, dem Gevelsberg seine Existenz verdankt, näher als in der Engelbert-Kirche an der Rosendahler Straße. Und deshalb trafen sich dort Mitglieder des Arbeitskreises Engelbert, um in die Zukunft zu blicken: Pastor Martin Stais, Alt-Bürgermeister Klaus Solmecke und sein Nachfolger Claus Jacobi.

Die Geschichte ist bekannt und doch voller Geheimnisse. Vor 796 Jahren wurde Engelbert I. von den Truppen seines Vetters Friedrich von Isenberg in einem Hohlweg am „Gyeviliberch“ erschlagen. Ein normaler Mord also, der in der damaligen brutalen Zeit für nur wenig Furore gesorgt hätte. Aber es war der mächtigste Mann seiner Zeit, der durch 47 Hiebe und Stiche sein Leben ließ: Engelbert war Kanzler des Deutschen Reichs, Erzbischof von Köln, Graf von Berg, Herzog von Westfalen und nicht zuletzt Vormund des Kaisersohns, dessen Vater in Italien weilte. Deshalb wurde am Tatort ein Sühnekloster gegründet und damit der Grundstein für Gevelsberg gelegt.

In der Engelbert-Kirche hat man das berühmte Mordopfer immer im Auge, wohin der Besucher auch blickt. Da gibt es vor allen Dingen eine kostbare Reliquie: Eine Elle aus dem Leichnam von Engelbert, die eigentlich in einem wertvollen Schrein im Kölner Dom liegt. Bis auf das Herz. Das wird im Altenberger Dom aufbewahrt. „Die Reliquie hat ihren Platz unter dem Tabernakel. Viele, die in die Kirche gehen, finden sie nicht“, sagt Pastor Stais.

Die Bluttat im Hohlweg wird auf einem der bunten Fenster dargestellt. „Ich finde sie immer wieder imposant, wenn das Licht durch die Scheiben scheint“, so Bürgermeister Claus Jacobi. Es gibt aber auch ein gusseisernes Bild, auf dem der Mord verewigt wurde. „Das haben wir auch bei uns im Haus hängen“, verrät Altbürgermeister Klaus Solmecke Pastor Martin Stais. Das Kunstwerk ist keine Seltenheit. Das Gussbild wurde von der Filiale der Commerzbank in Gevelsberg in Auftrag gegeben und an die Kunden verkauft. In einer Nische steht die Holzskulptur des einst geistigen und weltlichen Oberhaupts aller Deutschen.

Das historische Ereignis der Ermordung ist der Grund dafür, dass in Gevelsberg im November gleich an zwei Bischöfe gedacht wird. Neben dem Heiligen St. Martin eben auch an Engelbert, der am 7. November sein Leben lassen musste. „Wir feiern dann mit der Gemeinde das Engelbert-Fest. Von der Bäckerei Wolowitz bekommen wir 150 gebackene Schwerter, die wir an Kinder verteilen. Für die Erwachsenen gibt es einen Brunch“, so Pastor Stais. Das war dieses Jahr leider so nicht möglich, deswegen wurden die gebackenen Schwerter an alle Kirchenbesucherinnen und Kirchenbesucher der beiden katholischen Kirchen verteilt und der Brunch musste leider ausfallen.

Die drei – Jacobi, Solmecke und Stais – machen sich bereits Gedanken über die Planungen für das Jahr 2025. Dann jährt sich der folgenreiche Mord zum 800. Mal. „Wir können uns einen historischen Engelbert-Markt mit mittelalterlichem Ambiente vorstellen und auch einen Laternen-Umzug, bei dem Engelbert und St. Martin Seite an Seite reiten“, denkt Jacobi laut nach. „Dabei sollte das alte Dorf rund um die Elberfelder Straße und die Innenstadt durch eine Reihe von Veranstaltungen verbunden werden“, schmiedet Alt-Bürgermeister Solmecke neue Pläne. Besonders die Kinder, die Schülerinnen und Schüler, wollen die drei Mitglieder des Arbeitskreises mit einbeziehen. „Die verstorbene Stadthistorikerin Margret Korn hat bestimmt, dass ihr Erbe dafür eingesetzt wird, den jüngeren Generationen die Geschichte der Heimat näher zu bringen. Ich glaube, Engelbert wäre der richtige Partner dafür“, meint Jacobi.

Denn eins sei sicher: „Engelbert muss in Gevelsberg eine Zukunft haben.“