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FRIDAVO lässt die Türen schwingen: In Windkrafträdern oder teuren Boutiquen

FRIDAVO lässt die Türen schwingen: In Windkrafträdern oder teuren Boutiquen

Die Schwingtür hat Geschichte gemacht. Früher stürmte der Sheriff im Schwarz-Weiß-Western durch sie in den Saloon voller Bösewichte. Aber, wozu braucht man sie heute noch? „Es gibt eine Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten. Manche wundern mich selbst“, lacht Unternehmer Thomas Vieting. Seine Firma FRIDAVO an der Rosendahler Straße ist der einzige Hersteller von Pendeltürbändern in Europa. Bürgermeister Claus Jacobi besuchte das innovative Unternehmen im Rahmen seiner Wirtschaftsgespräche.

1500 Windkraftanlagen werden zurzeit in Sibirien errichtet. Um an den Rotor in 150 Metern Höhe zu kommen, zwängen sich die Techniker in einen Miniaturaufzug, der an die ehemaligen Rettungsbomben im Bergbau erinnern. Geschlossen werden die Türen durch Pendelbänder „made in Gevelsberg“. Edle Boutiquen in Berlin bieten ihren Kundinnen Umkleidekabinen mit Türen aus teuren Edelhölzern an. Dafür liefert FRIDAVO sogar vergoldete Beschläge. Kellner mit Tellern auf dem Arm und in den Händen können vom Weg aus der Küche keine Türklinke drücken. Das Türband aus Gevelsberg ist auch für sie eine Lösung, wie auch beim Bau von U-Booten und der Einrichtung von Metzgereien.

Seit dem Jahre 1875 produziert das Unternehmen Baubeschläge. Die weitaus längste Zeit am Standort Ennepetal. Das ist auch schon aus dem Namen zu lesen. FRIDAVO ist die Abkürzung von Fritz Dannert, den Firmengründer, und Voerde. Vor drei Jahren musste das Unternehmen umziehen. In der alten Heimat war ein geeigneter Standort schwer zu finden. „Ich habe dann bei der Wirtschaftsförderung in Gevelsberg angerufen und mich für einen Standort im Gewerbegebiet Silschede Süd-Süd beworben“, welches sich im Bebauungsplanverfahren befindet. „Wir waren allerdings an einer kurzfristigen Lösung interessiert“, berichtet Thomas Vieting Bürgermeister Jacobi. Man habe ihn aber auf einen Privatanbieter an der Rosendahler Straße hingewiesen. „Das war um 9 Uhr, um 13 Uhr haben wir erste Gespräche geführt, um 16 Uhr war alles klar“, lobt der Unternehmer die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Inzwischen wurde auch die höchste Zertifizierungsstufe 16949 erreicht.

Den Umzug vor drei Jahren haben Vieting und seine Mitarbeiter nicht bereut – im Gegenteil: „Wir haben in der Außendarstellung gewonnen. FRIDAVO kann sich in Gevelsberg als modernes Unternehmen präsentieren.“ Das habe zu Folge, dass der Betrieb schon aus allen Nähten platzt. Nach der Pandemie und dem Hochwasser, dass vor allem Zulieferern im Raum Hagen und im Lennetal zugesetzt habe, wartet das Unternehmen auf ein ruhiges Jahr: „Dann wollen wir den Betrieb erweitern.“ Besonders die Lagerkapazität reicht nicht mehr aus.
Heute beschäftigt FRIDAVO insgesamt 25 Mitarbeiter. Sie arbeiten an modernsten Maschinen und mit Robotern. Thomas Vieting, der seine Karriere bei Zulieferern von Automobilherstellern begonnen hat, stellt sein Unternehmen breit auf: „250 Artikel von uns finden sich später in Fahrzeugen wieder.“ Kunden sind VW und Ford, aber auch Jaguar und Landrover. Hinzu kommen 400 weitere Teile. Das sind nicht nur Baubeschläge. Auch die Hersteller von Medizintechnik sind Kunden der Gevelsberger Firma. Es werden zum Beispiel Laborzangen hergestellt. Rund 30 Prozent der Produktion geht inzwischen ins Ausland.

Eine Erfolgsgeschichte, die nur durch Corona unterbrochen wurde. Fünf Monate lang hat FRIDAVO „gar nichts zu tun gehabt“. Danach bereitete die Materialbeschaffung dem Unternehmer Kopfzerbrechen. Die Preise explodierten: „Vor der Pandemie kostete die Tonne Stahl 750 Euro, heute werden 1600 Euro berechnet.“

Aber zurück zu den Pendeltürbändern. Vietings Vater, der das Unternehmen drei Jahrzehnte geleitet hat, hat seinem Sohn auf den Weg gegeben: „Das ist ein Auslaufprodukt, das musst Du nicht großartig pflegen.“ Heute sind die Bänder in Hundeapportier-Maschinen zu finden, die Bälle in den Wald schleudern. Oder sie werden in Leichtatletik-Stadien genutzt, um umgerissene Hürden wieder aufzustellen, bevor der nächste Läufer kommt. „Das sind so die kuriosen Aufgaben, die wir lösen mussten“, sagt Thomas Vieting.

Und wenn heute Westernlegende John Wayne durch eine Schwingtür stürmen würde, könnte er sich über einen goldenen Beschlag aus Gevelsberg freuen, wenn es das Budget des Regisseurs hergibt.