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Spaziergang in die Geschichte mit »adeliger Begleitung«

Spaziergang in die Geschichte mit „adeliger Begleitung“

Es ist eine Begegnung mit Rittern, Pestärzten und Burgfräuleins. Es ist eine Reise ins alte und neue Gevelsberg. Einmal im Monat lädt das Büro für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing zu einem Stadtrundgang der besonderen Art ein. Der Journalist und Kabarettist Jürgen Taake nimmt seine Gäste als Reiseleiter mit zu den interessantesten Punkten im Gevelsberger Dorf. Der Schriftsteller Uwe Schumacher schlüpft in das Kostüm eines adeligen Ritters und liest aus seinen historischen Romanen, die an der Ennepe spielen, um die Vergangenheit lebendig zu machen.

Und diese Vergangenheit ist in Gevelsberg vor allen Dingen mit einem Namen verbunden: Engelbert. Jürgen Taake erzählt mit seinem trockenen Humor die Geschichte des einstigen weltlichen und kirchlichen Führers im deutschen Reich. Engelberts Ermordung vor fast 800 Jahren am Gevelsberg hat schließlich dazu geführt, dass hier eine Stadt entstanden ist. „Fakenews“ so Taake, habe es schon damals gegeben. Sie sollten bewirken, dass der Tod des mächtigsten Mannes mit einer kirchlichen Mission in Verbindung gebracht wird. Nur dann konnte seine Heiligsprechung auf den Weg gebracht werden.

Aber eigentlich wollten die Adeligen, mit denen sich der Reichsverweser und Erzbischof in Soest getroffen hatten, ihren Widersacher entführen, um ihre Vorteile zurück zu bekommen. Engelbert schaffte das Recht der ersten Nacht genauso ab wie er anordnete, dass Bedienstete an den Höfen entlohnt werden mussten. Deshalb war er beim Volk beliebt. Nicht beim Adel. Und so fingen die Ritter des Grafen von Isenberg den Vormund des Kaisersohns im Hohlweg auf dem Weg nach Schwelm ab. Der Tod war nicht einkalkuliert. Übrigens: Engelbert starb nicht an der Elberfelder Straße, wo heute sein Denkmal steht. Das wurde nur – praktisch wie die Gevelsberger sind – auf einem zugeschütteten Löschteich errichtet. Engelbert erlag seinen fast 50 Verletzungen, die Gerichtsmediziner 1978 feststellten, in der Nähe der Kirmesmauer. Ausgerechnet dort, wo beim Gevelsberger Volksfest die Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes Stellung beziehen.

Taake führt seine Gäste aber auch in die jüngere Geschichte. Vorbei am Filmriss-Programmkino, das früher der Saalbau Buschmann war. Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger und Helmut Kohl hielten hier Wahlkampfreden. Weiter geht es zur Erlöserkirche, die ihre Glocken aus Bronze im ersten Weltkrieg opfern musste, damit aus dem Material Waffen geschmiedet werden konnten. Als Ersatz gab es nach der deutschen Niederlage gebrauchte eiserne Glocken. Zwei davon stehen noch vor dem Gotteshaus. Die kleinere stammt von dem Kriegsschiff SMS Wittelsbach. 2010 musste das Glockenstuhl stillgelegt werden. Zwei Jahre lang läutete die katholische Engelbert-Kirche in Vertretung für die evangelischen Kollegen, bevor Ersatz für die Glocken beschafft werden konnte.

Solche Geschichten sind es, die die Gäste, die Jürgen Taake und Uwe Schumacher mitnehmen, in den Bann ziehen. Eine Kommune wie Gevelsberg hat eben schon eine Menge erlebt. Der Reiseleiter erklärt, warum die Stadt eigentlich Mylinghausen heißen müsste. Er verrät, dass die Bezeichnung Hippendorf für die Ansiedlung rund um das alte Stift, nicht von der Ziege kommt. Die Hippe ist auch die Bezeichnung für den Griff einer Sense. Und solche Hippen stellten gleich mehrere Firmen im alten Dorf her.

Taake führt die Besucher zum ältesten Gebäude der Stadt. Das frühere Backhaus in der Winkelgasse wurde bereits im Jahr 1372 urkundlich erwähnt. Taake berichtet, warum die Ansiedlung von Industrie rechts und links der Rosendahler Straße keine neue Idee ist. Er erklärt, warum sich die Stadt vom Dorf aus an die Ennepe verlagert hat. Taake erzählt von Menschen, die selbst Gevelsberger Geschichte geschrieben oder sie aufgezeichnet haben.

Die Stadtrundgänge werden jeden vierten Samstag im Monat durchgeführt. Es gibt abwechselnd eine kurze Version mit Führung im Dorf von einer Stunde und eine lange von zwei Stunden mit Start in der Mittelstraße. Der Teilnehmer zahlt dafür 8 bzw. 10 Euro. Die letzten Termine in diesem Jahr: 28. August, 16 Uhr (kurze Tour); 25. September, 15 Uhr, lange Tour, 23. Oktober, 16 Uhr (kurze Tour). Anmeldungen beim Büro für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing.