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Stadtgärtner: In jeden Gevelsberger Garten gehört ein Obstbaum

Stadtgärtner: In jeden Gevelsberger Garten gehört ein Obstbaum

Dass es in Gevelsberg grünt und blüht, dafür setzt sich Erwin Mende seit 42 Jahren ein. So lange ist er schon bei der Kommune beschäftigt. „Bei allem, was wir tun, müssen wir an die Insekten denken. Nicht nur an die Bienen. Zum Beispiel auch an die Schmetterlinge“, sagt der Stadtgärtner, der sich darüber freut, dass nach diesem Prinzip auch immer mehr in Privatgärten gehandelt wird. Natürlich zu gärtnern, sagt Mende, sei keine Wissenschaft mit sieben Siegeln. Man müsse nur den ersten Schritt tun.

Und der ist? Die Antwort ist einfach und erstaunlich: „Einen Obstbaum pflanzen.“ Wenn er im Frühling blüht, so Mende, sei das nicht nur für die Menschen eine Augenweide, sondern auch für die Bienen. Gut für Klima sei eine solche Pflanzaktion auch. Und einen Obstbaum gebe es für jede Gartengröße. „Der Spindelbusch wird zum Beispiel nur zwei Meter hoch“, so der Stadtgärtner. Der passe in den kleinsten Garten. Der Hochstamm erreiche dagegen eine imposante Höhe von sechs Metern und benötige deshalb schon reichlich Platz.

Auch die Pflege sei nicht so kompliziert, wie sie manchmal dargestellt wird: „Pflanz-, Erziehungs- und Verjüngungsschnitt sind keine Hexerei. Man darf nur nicht den Fehler machen, zu viele Zweige abzuschneiden, sonst wuchern die nachwachsenden wild. Anleitungen gibt es zum Beispiel bei der Nabu, auch im Internet“, so der Experte. Er rät auch, Containerpflanzen zu kaufen: „Wurzelnackte Bäume, die ohne Erde angeboten werden, brauchen erst einige Jahre, bis sie sich im Boden verankert haben, bevor sie sich über der Erde entwickeln.“ Der Baum, der im Container groß geworden ist, hat auch einen weiteren Vorteil: „Diese Obstbäume können zu jeder Jahreszeit gepflanzt werden.“ Wenn die Bienen im Frühjahr an den Obstbäumen naschen können, dann ist der Mensch im Herbst an der Reihe, wenn die Bäume Früchte tragen. Aber auch die ernähren die Tierwelt.

Wer keinen eigenen Garten hat, der kann zu einem besonderen Anlass wie etwa Hochzeit und Geburt einen Baum auf der öffentlichen Streuobstwiese im Stefansbachtal pflanzen lassen. „Das ist unkompliziert. Die Technischen Betriebe besorgen den Baum, die Nabu spendiert das Pflanzloch und ein Erinnerungsschild kann zusätzlich angebracht werden“, so Matthias Sprenger, Umweltbeauftragter der Stadtverwaltung. Es fallen nur die Kosten für den Baum und das Schild an. Die Obstsorten sind unterschiedlich: „Wir haben Äpfel, Birnen und auch Pflaumen gepflanzt.“ Eben eine echte Streuobstwiese.

Aber, zurück in den eigenen Garten. Wer mit dem Pflanzen eines Obstbaumes den ersten Schritt gemacht hat, dem rät Stadtgärtner Erwin Mende den zweiten mit Stauden jeglicher Art folgen zu lassen: „Sonnenhut, Fette Henne und Taglilie sind Pflanzen, die die Insekten lieben.“ Aber auch mit Herbstastern und Lavendel kann man der heimischen Tierwelt im Kleinformat eine große Freude machen. Der Sommerflieder bietet zum Beispiel den Schmetterlingen begehrte Leckerbissen. „Durch die trockenen Sommer hat der Flieder aber sehr gelitten“, weiß Mende.

Wer in seinem Garten nicht auf die Rose verzichten möchte, dem rät Mende zu bodendeckenden Sorten: „Die brauchen fast keine Pflege.“ Und weil wir noch im Frühjahr sind ein Tipp: „Stiefmütterchen sind zweijährige Pflanzen. Im zweiten Jahr kommen sie meist noch wesentlich schöner.“ Danach sei allerdings keine Blütenpracht mehr zu erwarten.

Allgemein sollte der Hobbygärtner auf den Rat der Insekten hören. Alles, was die Tierchen mögen, bereitet später die wenigste Mühe bei der Pflege. Denn auch ein „Garten des Grauens“ aus Beton und Schotter ist keine Garantie dafür, dass sich auf ihm nicht Pflanzen ausbreiten, die der Mensch dort eigentlich nicht sehen möchte.

Allgemein stellt Erwin Mende den Gevelsberger Hobbygärtnern ein durchweg gutes Zeugnis aus. Er gehörte mit zur Jury der von der Stadtverwaltung organisierten Gartenwettbewerbe: „Und da habe ich gestaunt, wieviel Mühe sich die Menschen geben, um ein Stück Natur in der Stadt zu erhalten oder zu schaffen.“