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Karton für Karton auf dem Weg in die neue Zukunft der Feuerwehr

„In normalen Zeiten hätten wir 60 bis 70 Kameradinnen und Kameraden zusammengetrommelt, es hätte Grillwürstchen gegeben und die Sache wäre in zwei bis drei Tagen erledigt gewesen“. Da sind sich Gevelsbergs Feuerwehr-Chef Uwe Wolfsdorff und Peter Dietrich, Leiter der örtlichen Rettungswache, einig. Aber was ist in Corona-Zeiten schon normal? Und so dauert die Sache – der Umzug der Feuerwache von der Körnerstraße in die neuen Gebäude am ehemaligen Haufer Bahnhof - eben länger.

Karton für Karton wird seit Wochen auf den Weg geschickt. Den Transport übernehmen die Frauen und Männer, die rund um die Uhr auf der Wache im Einsatz sind und ihre Kollegen, die sie im Tagesdienst unterstützen. Neben dem Transporter für die Umzugskisten ist auch immer mindestens ein Einsatzfahrzeug dabei. Schließlich könnte es mitten im Umzug auch einmal Alarm geben.

„Möbel müssen wir nicht mitnehmen, die sind alle neu angeschafft worden“, erklärt Wolfsdorff. Und manches ist nicht nur schöner anzuschauen, sondern auch ein Quantensprung in die Moderne. Zum Beispiel die Nachrichtenzentrale. Hier werden nicht nur die Alarmmeldungen eingehen, hier werden mehr als die Einsätze koordiniert. Das Team der Feuerwehr überwacht von dort die Bilder, die 14 Kameras auf dem Gelände liefern, und es bedient die Ampelschaltungen und Schranken, wenn die roten Fahrzeuge zum Einsatz ausrücken. „Es ist die modernste Technik, die im Augenblick zur Verfügung steht“, sagt Wolfsdorff. Angst vor dem Fortschritt müsse keiner seiner Kameradinnen und Kameraden haben: „Im Zeitalter von Smartphones und Tablets ist die Umstellung keine große Hürde.“

Aber jeder weiß nicht, wie man einen Gabelstabler bedient. Der gehörte nämlich in der Körnerstraße noch nicht zur Ausstattung. Deshalb muss auch erst einmal der Führerschein gemacht werden. Umstellen muss sich auch das Küchenpersonal. Statt traditioneller Backöfen gibt es jetzt moderne Konvektomaten, also Heißluftöfen. Wie man mit einer Rutschstange schneller als auf der Treppe zum Einsatzfahrzeug kommt, darüber musste sich die Gevelsberger Feuerwehr bisher im Altbau noch keine Gedanken machen. Dafür wird auch eine Gefährdungsanalyse verlangt.

„Es gibt bei uns niemanden, der der alten Wache hinterher trauert“, sagt Wolfsdorff. Peter Dietrich nennt ein konkretes Beispiel, das den Wohlfühlaspekt im neuen Gebäude deutlich macht: „In der Körnerstraße haben wir einen zehn Quadratmeter großen Raum, in dem wir uns fit halten können. Am Haufer Bahnhof gibt es einen großzügigen Fitness-Raum.“

Es ist kein Gegensatz, dass natürlich jeder Fleck an der Wand der Wache an der Körnerstraße eine Geschichte hat. Er erzählt zum Beispiel von einer der Feierlichkeiten in der Fahrzeughalle. Es sei wichtig, dass die Frauen und Männer, die ihr Leben für andere riskieren, auch familiär enger zusammenrücken. Es gibt auch Erinnerungen an die schönen Stunden im Dienst, wenn zum Beispiel im Rettungswagen ein Baby gesund zur Welt gekommen ist. Manches kann aber auch weg, wie bei jedem privaten Umzug auch: „Wir haben sicherlich bereits über hundert Aktenordner zur Vernichtung gegeben.“ Andere Dokumente, so der Feuerwehr-Chef, seien dem Gevelsberger Stadtarchiv übergeben worden. Sommerreifen und Ersatzkleidung sind zuerst umgezogen: „Alles, was für unsere Einsätze zurzeit nicht relevant ist.“ 180 Menschen – von den Mitgliedern der Bambino-Gruppe bis zur Ehrenabteilung – wird die neue Wache eine Heimat bieten. Rund 20 Einsatzfahrzeuge stehen in den großzügigen Hallen.

Wann an die neue Wache das Kommando übergeht, das liegt an der Einsatzbereitschaft der Nachrichtenzentrale. Erst wenn sie von Spezialisten vernetzt, programmiert und in Betrieb genommen wurde, kann die Feuerwehr den Hebel umlegen. Die Bürger werden vom Tag X, der irgendwann im März stattfindet, kaum etwas merken. In der Körnerstraße geht das Licht aus und der Neubau am Haufer Bahnhof wird ab dann die ganze Nacht erleuchtet sein. „Und es werden auf einmal jede Menge Menschen mit blauen Uniformen rumlaufen“, lacht Uwe Wolfsdorff.

Dann kommt doch noch ein kleiner Wermutstropfen. Wolfsdorf wird seinen Namen nicht lange auf dem Türschild zum neuen Büro des Chefs der Gevelsberger Feuerwehr lesen können. Am 31. Dezember geht er in den Ruhestand. Auch ein Grund, Tempo beim Umzug zu machen – schneller als die Feuerwehr zu sein.